Denzels Geschichte: Kapitel 2

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„Hat ShinRa es getan?“

„…Ja.“

Reeve hatte den Blick von ihm abgewandt. Es schien als habe er fest in seinem Inneren beschlossen, keinerlei Gefühle zu zeigen.

„Du kannst mich dafür hassen… Tu, was du willst.“

Doch Denzel schüttelte nur den Kopf.

* * *  * * *  * * *

Als er am nächsten Morgen die Augen öffnete, lag er erneut in jenem neuen Haus in Sektor 5. Er schlief auf einer Matratze, die am Vortag sicherlich noch nicht dort gelegen hatte. Ein süßes Brötchen und ein Zettel lagen gleich neben dem Kopfkissen.

Bin in der Firma. Komme dich ab und zu besuchen, um zu sehen wie’s dir geht. Entferne dich nicht zu weit vom Haus. Alle sind in zu nervöser, gefährlicher Stimmung. Dich zu suchen ist zu anstrengend und außerdem bist Du ziemlich schwer.

P.S: Die Matratze hab ich aus dem Nachbarshaus geliehen, deswegen gib sie bitte für mich zurück.

Arkham

Das Bild von dem in sich stürzenden Sektor 7 lief unendlich oft im Fernsehen. Ebenso wie die Mitteilung von ShinRa, Midgar sei wieder sicher, unendlich oft wiederholt wurde. Seine eigenen Eltern waren vielleicht gestorben! Auch wenn man ihm sagte, die Stadt sei wieder sicher, war Denzel nicht damit einverstanden. Wenn es wieder sicher wäre, würden dann alle glücklich und zufrieden ihr Leben fortsetzen? Würden sie ihn in ihrer Mitte aufnehmen?

Denzel setzte das Brötchen an seine Lippen.

Kurz bevor er es sich in den Mund schieben konnte, bemerkte er, daß er es mit festem Griff zerdrückte und die Cremefüllung aus dessen Innerem hervorquoll. Wütend warf er das Brötchen mit all seiner Kraft gegen den Fernseher und stürmte fluchtartig aus dem Haus.

Es war still.

Im Zentrum Midgars war wie immer das thronende ShinRa-Gebäude zu sehen. Wenn sein Vater noch lebte, waren er und seine Mutter vielleicht in die Firma gegangen. Gerade jetzt waren alle beschäftigt und konnten nicht nach draußen kommen. In der Umgebung, in der er sich befand, gab es überall von ShinRa bereitgestellte Wohnhäuser. Vielleicht waren auch Bekannte seines Vaters hier? Zwar haßte er es, mit unbekannten Erwachsenen zu sprechen, doch er riß sich zusammen und trat entschlossen vor.

Zuerst ging er zum rechten Nachbarhaus und klingelte an der Türglocke. Keine Antwort. Vorsichtig versuchte er die Tür zu öffnen.

Sie war nicht verschlossen, also streckte er probeweise den Kopf durch den Türspalt.

„Hallo?“

Auch nach einer kurzen Weile erhielt er keine Antwort.

Arkham schien die Matratze aus diesem Haus geliehen zu haben. Er fragte sich unweigerlich, ob es nicht Diebstahl war, sich Dinge einfach so von selbst auszuborgen. Aber Dieb oder nicht Dieb, er mußte schließlich irgendwie leben.

Dann eben der linke Nachbar.

Das Haus gegenüber.

Das Hinterhaus.

Doch niemand war daheim. Er ging ein Stück weiter, versuchte es bei einem weiter entfernteren Haus. An fast allen Türen hingen Zettel, auf denen es hieß, man habe kurzzeitig Zuflucht an anderen Orten gesucht. Die provisorischen, neuen Adressen wurden ebenfalls genannt.

Es war niemand da. Und es war unmöglich, daß seine Eltern in der Firma waren. Wenn ja, wären sie sicher schon längst hierher gekommen. Auch wenn sein Vater nicht gekonnt hätte, zumindest seine Mutter wäre gekommen.

Während er sich an Hoffnungen klammerte und das Offensichtliche verleugnete, lief er weiter und weiter, bis er schließlich merkte, daß er sich völlig in den Straßen verlaufen hatte. Er wußte nicht mehr wo er war, oder wie er gelaufen war, um hierher zu gelangen. Er fing an zu weinen. Doch er war weniger traurig als vielmehr wütend.

Unvermittelt blieb er stehen und setzte sich auf die Straße, als er plötzlich etwas Hartes unter sich fühlte.

Ein kleines Modell von einem ShinRa-Flugzeug. Ein Kind mußte es wohl verloren haben… Fest entschlossen hob Denzel es auf und warf es so weit von sich, wie er konnte.

„Ich hasse euch!! Euch alle!!“

Das Klirren von zerbrochenem Glas war zu hören, dann die Stimme einer Frau.

„Wer war das? Schämst du dich nicht, so was zu tun!?“

Noch bevor Denzel sich der Lage bewußt werden konnte, trat eine alte Frau aus dem Gebäude direkt vor ihm. Eigentlich war sie noch nicht in dem Alter, sie als alt zu bezeichnen, doch Denzel konnte ihr wahres Alter nur schwer schätzen.

„Hast du das getan?“, rief sie und hielt Denzel das kleine Flugzeugmodell entgegen.

Denzel nickte ehrlich.

„Warum…“, fragte die alte Frau, zögerte dann jedoch. „… weinst du etwa?“

Denzel schüttelte energisch den Kopf, doch er konnte die Tränen nicht verbergen.

„Wo wohnst du?“

Verärgert über sich selbst, daß er ihr nicht einmal antworten konnte, nahm der Tränenstrom nur noch zu.

„Komm erst mal rein.“

Das Innere von Lhuis Haus hatte eine Behaglichkeit an sich, die sich gänzlich von der Wohnung Denzels unterschied. Es gab Tapeten mit kleinen Blumenmustern, eine Sofa und Kissen, die mit Bezügen überzogen waren, die das gleiche Muster aufwiesen. Auch künstliche Blumen zierten die Wohnung, deren Atmosphäre warm und friedlich war. Denzel setzte sich auf das Sofa und sah Lhui an, die unterdessen das gebrochene Gals mit einem Plastikbeutel abklebte.

„Wenn mein Sohn zurückkommt, darf er das hier richtig reparieren. Für den Moment dürfte es wohl so reichen…“

„Frau Lhui, es tut mir leid…“

„Wenn es nicht so früh wäre, würde ich dich am Kragen packen und unter gehörigem Gezeter zu deinen Eltern zurückschleifen.“

„Meine Mutter und mein Vater sind…“

„Sie haben dich doch nicht etwa allein hier zurückgelassen und sind geflohen?“

„Sie waren in Sektor 7.“

Lhui, die mitten in ihrer Arbeit innegehalten hatte, setzte sich aufs Sofa, beugte sich zu Denzel und nahm ihn in die Arme.

Als er sich wieder beruhigt hatte, meinte Lhui, sie würden nach draußen gehen, um sein Haus zu suchen. Gemeinsam gingen sie Hand in Hand die Straßen entlang. Denzel hatte aufgehört an der Hand seiner Eltern zu gehen, seit er sechs Jahre alt geworden war. Es war einfach so uncool. Jetzt jedoch, wollte er Lhuis Hand nie wieder loslassen.

Die Mitglieder von ShinRa waren damit beauftragt worden, in die Hauptzentrale gedrängt, die allgemeine Lage unter den Bürgern zu kontrollieren, während ihre Familien Zuflucht in Junon oder Costa del Sol suchten. Lhui meinte, sie wäre ja sowieso überall alleine gewesen, egal wohin sie floh, weswegen sie es vorzog, hier zu bleiben. Ihr eigenes Haus sei immer noch der beste Ort zum Verweilen.

Schließlich fanden die beiden Denzels Haus.

„Vielen Dank! Und das mit dem Glas… tut mir wirklich sehr leid!“

Lhui nickte schweigend. Als Denzel jedoch ins Haus zurückkehren wollte, folgte sie ihm bis zur Tür und warf einen flüchtigen Blick in den Innenraum.

„Was willst du in so einem leerstehenden Haus…? Komm mit zu mir nach Hause. Das geht schon in Ordnung.“

Lhui hatte nach der Explosion des Mako-Reaktors in Sektor 1 schwere Zeiten vorausgesehen und einiges an Vorräten besorgt. Hinter dem Haus gab es eine Abstelltruhe und deren Inneres war voll von Konserven und Lebensmitteln, die sich über längere Zeit hielten.

„Man sagt doch: Vorsorge ist alles!“

Lhuis Tage waren geschäftig. Das Haus putzen, die Umgebung pflegen, das Essen vorbereiten und nähen. Denzel half ihr überall – außer beim Nähen. Vor dem Schlafengehen lasen sie Bücher. Lhui hatte ein dickes, anscheinend schwer zu verstehendes Buch. Wenn er sie fragte, ob es denn interessant sei, antwortete sie nur: „Kein bißchen.“ Sie meinte, es sei das Buch ihres Sohnes und wenn sie es las, würde sie vielleicht die Arbeit ihres Sohnes verstehen. Deswegen quälte sie sich schon seit 5 Jahren hindurch. Sie meinte lachend, daß es ein Buch von der Art sei, die man zum Einschlafen las.

Mit den Worten, daß es ihm sicher irgendwann nützlich sein werde und er es deswegen lesen solle, lieh Lhui ihm einen Bildband über Monster. Anscheinend hatte das Buch einmal ihrem Sohn gehört, der es im selben Alter wie Denzel gelesen hatte. Es standen Farbillustrationen und Erklärungen zu jedem Monster drin und auf jeder Seite stand das gleiche geschrieben: Triffst du auf ein Monster, dann ergreife sofort die Flucht! Informiere sofort einen Erwachsenen! Wenn… wenn er jetzt einem Monster begegnete, sollte er dann Lhui informieren? Aber er glaubte nicht, daß Lhui kämpfen konnte. Würde er dann kämpfen müssen? Würde er es können? Würde er gewinnen?

Er fühlte sich mit einem Male nutzlos. Deswegen hatten seine Eltern ihn hier gelassen und waren alleine gegangen…

* * *  * * *  * * *

Als die Sonnenstrahlen wärmer wurden, fing Denzel an zu schwitzen.

„Es ist… ziemlich warm hier drin“, meinte Reeve in Johnnys Richtung gewandt.

„Kannst du mir vielleicht ein Glas Wasser geben?“

Denzel griff nach einem Taschentuch, um sich den Schweiß abzuwischen.

„Ein ziemlich schönes Muster. Wie von einem Mädchen.“

„Finden Sie…?“, meinte Denzel und betrachtete das Taschentuch.

* * *  * * *  * * *

Als er eines Morgens aufwachte, stand Lhui vor ihm und präsentierte ihm ein Kragenhemd. „Zieh das an. Ich hab es für dich gemacht, aber ich hatte nur dieses eine Muster.“ Es war aus weißem Stoff mit kleinen, pinken Blumen darauf und von der Machart, wie er sie früher bestimmt abgelehnt hätte. In diesem Moment jedoch zog er sich voller Freude um.

„Ich hab es gemacht, weil ich noch Stoff übrig hatte. Behalte es.“

Was sie ihm entgegenhielt, war ein Taschentuch aus dem gleichen Stoff. Es schien ziemlich viel übriggeblieben zu sein, denn sie hatte gleich mehrere Taschentücher angefertigt. Denzel nahm sich eines davon, faltete es sorgfältig und steckte es in seine hintere Hosentasche.

„Da ist noch etwas…“

Das Lächeln war aus Lhuis Gesicht verschwunden. „Ich weiß nicht, wie ich’s sagen soll…“

Denzel fragte sich, was sie ihm sagen wollte. Es kamen ihm Worte in den Sinn, die er ganz bestimmt nicht hören wollte. Verschwinde. Vielleicht wollte sie ihm das sagen. Als er daran dachte, versteifte sich sein Körper und fing unmerklich zu zittern an.

„Wollen wir nach draußen gehen?“

Lhui ging ohne zu warten hinaus in den Hintergarten. Denzel zögerte einen Moment, folgte ihr dann jedoch schließlich. Er trat über die dick aufgeschaufelte Erde neben Lhui, die mit dem Blick zum Himmel gerichtet dastand. Denzel hob den Blick ebenfalls nach oben.

Ein schwarzer Punkt war inmitten des blauen Himmels zu sehen. Ein unglückverheißender Anblick. An einem Mittagshimmel sollte es nur blau und weiß geben. Alles andere gab Grund zur Sorge.

„Ich weiß auch nichts Genaues. Man scheint es Meteor zu nennen… Sie sagen, daß es auf unseren Planeten fällt – und dann ist alles aus.“

Lhui holte zwei Konservenbüchsen aus der Abstellkiste und gab sie Denzel. „Wir scheinen nichts dagegen ausrichten zu können… Rein gar nichts.“

Sie machte an jenem Tag nichts, weder putzen noch nähen, sondern saß nur in Gedanken versunken auf dem Sofa.

Doch dann fing sie an, immer wieder irgendwohin zu telefonieren. Ihr Gesprächspartner schien nie da zu sein. Während sich Denzel fragte, ob es sich wohl um ihren Sohn handelte, machte er drinnen und draußen sauber. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, wie es aussehen sollte, nachdem Meteor auf die Erde gefallen war. Und viel wichtiger als Meteor war für ihn: Denzel hatte etwas, das er Lhui fragen wollte, schaffte es jedoch nicht, es wirklich auszusprechen.

Als es dunkel wurde, fing Lhui an zu putzen, als wolle sie ihm sagen, sie sei wieder in die Gegenwart zurückgekehrt. „Denzel, so wie du das machst, wird das nichts. Was hast du denn bis jetzt rumgeträumt?“ Das war die alte Lhui.

Am Abend dann saßen sie beide auf dem Sofa und lasen die gleichen Bücher wie immer. Den Blick auf ihr Buch gerichtet, meinte Lhui: „Denzel, ich habe vor, hier auf das Ende zu warten. Wenn sie sagen, die Welt wird untergehen, ist es ja sowieso egal, wohin man geht, nicht wahr? Was wirst du tun? Wenn du irgendwohin gehen willst, kannst du dir ruhig von hier Vorräte mitnehmen. Du bist zwar noch ein Kind, aber ich habe mir gedacht, du sollst selbst den Platz wählen, an dem alles zu Ende geht.“

Denzel dachte gut über Lhuis Worte nach. Und am Mittag, stellte er ihr endlich die Frage, die ihm schon lange auf dem Herzen lag.

„Darf ich … hier bleiben?“

Lhui sah vom Buch auf und betrachtete Denzel – ein Lächeln auf ihrem Gesicht. Danach ging der Tagesablauf weiter wie immer. Nur draußen machte sie nicht sauber. Für Ordnung in der Umgebung zu sorgen, wurde zu Denzels Aufgabe.

Man konnte sehen, daß Bauarbeiten am ShinRa-Hauptquartier vorgenommen wurden. Im Nu hatte man auf dem Dach eine riesige Kanone installiert. Denzel meinte zu Lhui, daß ShinRa Inc. vorhabe, Meteor zu eliminieren.

„Diese Firma verpatzt doch sowieso immer etwas“, schüttelte Lhui nur traurig den Kopf.

Schlußendlich wurde die Kanone wirklich zerstört und zerbrach in ihre Einzelteile, nachdem sie nur ein einziges Mal in irgendeine Richtung gefeuert hatte. Noch dazu erlitt das ShinRa-Hauptquartier selbst einen Angriff und wurde zerstört. Denzel fragte sich unwillkürlich, welches Monster so etwas wohl bewirken könnte. Er konnte sich kein Monster vorstellen, das ein ganzes Gebäude vernichten konnte, doch er wagte es nicht, Lhui zu fragen.

Meteor hing noch immer am Himmel.

Überall gab es enormes Aufheben, doch Denzels Tage verliefen ruhig wie zuvor. Manchmal kam es zwar vor, daß er sich laut weinend wünschte, seine Eltern wieder zu sehen, doch wenn Lhui ihn umarmte, konnte er sich wieder beruhigen. Wenn ihre letzte Stunde kam während er in Lhuis Armen schlief, dann war ihm alles egal.

Was Denzel jedoch seinen Frieden nahm, war nicht etwa Meteor, sondern der fürchterliche weiße Strom. Der vom Planeten ausgestoßene Lebensstrom war zwar schlußendlich die glückliche Kraft, die Meteor vernichtete, doch jene verdichtete Lebensenergie brachte auch den Menschen Zerstörung.

An jenem schicksalhaften Tag waren Denzel und Lhui gerade dabei ins Bett zu gehen, als das Geräusch eines heftigen Windes von draußen erklang. Für einfachen Wind war es jedoch ein zu starkes Geräusch. Und schließlich fing das ganze Haus an zu beben.

Die letzte Stunde war also gekommen.

„Wäre es doch nur schon vorbei“, dachte sich Denzel, doch je mehr Zeit verging, desto heftiger wurde das Haus geschüttelt. Das Geräusch hatte nicht etwa nachgelassen, sondern hörte sich jetzt so an, als ob ein ganzer Zug neben ihnen vorbeidonnern würde. Mit geschlossenen Augen und in Lhuis Armen versuchte Denzel stark zu sein, doch nach fünf Minuten war es genug.

„Lhui, ich hab Angst!“

Genau in dem Moment als Lhui aufstand und Licht machen wollte, wurde der zugezogene Blümchenvorhang auf einmal vollkommen weiß. Es war, als wäre das ganze Haus von Licht umgeben.

„Zieh dir die Decke über!“, rief Lhui noch, bevor sie aus dem Schlafzimmer trat.

Als das Beben des Hauses heftiger wurde und sogar die Blumenvase vom Nachttisch fiel, sprang Denzel aus dem Bett und eilte Lhui hinterher.

Lhui starrte auf das Fenster im Wohnzimmer. Es war das provisorisch mit Plastik reparierte Fenster, das Denzel zuvor zerbrochen hatte. Das Plastik blähte sich auf, als wolle es jeden Moment zerreißen. Lhui lief zum Fenster und preßte beide Hände gegen die Folie.

„Denzel, geh zurück!“

Doch der Junge zitterte am ganzen Körper. Er konnte sich nicht rühren. Es war, als klebten seine Füße an Ort und Stelle fest. Er war es, der das Glas zerbrochen hatte. Wegen ihm würde jeden Moment sicherlich etwas ganz schlimmes passieren.

Lhui entfernte sich vom Fenster und kam mit schnellen Schritten auf ihn zu. Noch bevor er sie umarmen konnte, hatte sie ihn grob zurück ins Schlafzimmer geschoben – wenige Sekunden bevor die Folie riß.

Eine blendende Lichtflut ergoß sich in das Innere des Zimmers. Bevor er einen Schrei des Entsetzens hätte ausstoßen können, hatte Lhui in letzter Sekunde die Tür zugeschlagen. Denzel riß am Türknopf und versuchte sie zu öffnen.

„Denzel, hör auf!“

„Aber!!“ Denzel zog erneut an der Türklinke.

Lhui stand mit dem Rücken zu ihm. Breitbeinig, die Händen beiderseits gegen den Türrahmen gestemmt, war ihre Haltung steif vor Anstrengung.

„Schließ die Tür!“

Hinter Lhuis Köper konnte er einige Lichtbündel sehen, die durch die Wand stießen und im Inneren des Raumes wie leuchtende, wilde Schlangen tobten. Er hatte sie nie zuvor in dem Monster Bilderbuch gesehen. Flieh und benachrichtige einen Erwachsenen! Nein, in diesem Haus mußte er kämpfen.

„Lhui!“

In diesem Moment kam das Licht direkt auf Lhui zu. Ein kurzes Stöhnen war zu hören. Das Licht verwandelte sich in ein dünnes Seil und schoß zwischen Lhiu und der Wand mitten ins Schlafzimmer hinein. Fast im selben Moment, da er mit ansah, wie Lhiu zu Boden fiel, als würde sie in sich zusammenbrechen, wurde Denzel vom Licht nach hinten geschleudert und verlor das Bewußtsein.

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