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Die besten Filme aller Zeiten ~ eure Top Filme

Diskussionen, Fragen und Kritiken zu Filmen, Serien und Shows der weltweiten Fernsehlandschaft.

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Seraphblade

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Die besten Filme aller Zeiten ~ eure Top Filme

Beitrag19.12.2013, 18:51

Das Jahr 2013 geht dem Ende zu und damit auch ein aufregendes Jahr für Filmliebhaber.

In diesem Zuge würde mich generell einfach mal interessieren welche Filme euch in den letzten Jahren im Gedächtnis geblieben sind und warum. Ziel dieses Threads ist es nicht nur über aktuelle Blockbuster zu schwärmen sondern eventuell auch den ein oder anderen auf ältere Filme aufmerksam zu machen, die auch aus heutiger Sicht einzigartig und sehenswert sind.

Ich fange dann auch einfach mal an:

Die Fabelhafte Welt der Amelie / Le fabuleux destin d’Amélie Poulain

Regie: Jean-Pierre Jeunet
Musik: Yann Tiersen
Frankreich 2001
122 Minuten


Handlung
Spoiler: anzeigen
Amélie Poulain wird in einem Vorort von Paris als Tochter eines Militärarztes a. D. und einer Lehrerin geboren. Das Mädchen erhält in ihrer Familie nur wenig Zuwendung und von ihrem Vater keinen körperlichen Kontakt in Form von Umarmungen oder Liebkosungen. Die einzigen Berührungen für das Kind kommen bei den regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen zustande. Dabei schlägt Amélies Herz dann immer wie wild und ihr Vater diagnostiziert fälschlicherweise einen Herzfehler bei ihr. Deshalb lässt man sie nicht auf eine öffentliche Schule gehen; sie wird von ihrer Mutter unterrichtet und hat keinerlei Kontakt zu anderen Kindern. Als Ersatz dafür erfindet sie sich eine eigene Phantasiewelt, in die sie sich mehr und mehr zurückzieht.
Amélies Goldfisch namens „Pottwal“ leidet unter Depressionen und hat schon mehrmals versucht, Selbstmord zu begehen, indem er aus dem Goldfischglas gesprungen ist. Der am Boden liegende und nach Luft schnappende Fisch bringt Amélie jedes Mal zum Schreien, was wiederum ihre Eltern zur Verzweiflung treibt. Eines Tages können sie es nicht mehr ertragen und setzen den Goldfisch in einem Gewässer in der Nähe aus. Bald darauf wird vor Amélies Augen ihre Mutter von einer Touristin erschlagen, die sich von der Kathedrale Notre-Dame zu Tode stürzt. Amélies Vater kommt darüber nicht hinweg. Er zieht sich zurück und verbringt seine Zeit mit dem Bau eines Miniatur-Mausoleums für die Urne mit der Asche seiner Frau.
Jahre später zieht Amélie als junge Frau aus ihrem Elternhaus aus und arbeitet als Kellnerin im Café des 2 Moulins. Obwohl ihr Alltag eher grau erscheint, findet sie Freude an den kleinen Dingen des Lebens, wie z. B. Steinchen über den Canal Saint-Martin springen zu lassen, Leute im Kino zu beobachten oder die Kruste von Crème brûlée mit dem Löffel zu knacken.
Während im Fernsehen am 31. August 1997 der Tod von Lady Diana gemeldet wird, entdeckt Amélie durch Zufall hinter einer losen Badezimmerfliese ein kleines Kästchen, das die „Schätze“ eines Jungen aus den 1950er-Jahren enthält. Sie fasst den Entschluss, die Schachtel ihrem Besitzer zurückzubringen und, falls dieser gerührt sein sollte, ihr weiteres Leben damit zu verbringen, anderen Menschen zu helfen. Tatsächlich kann sie Dominique Bretodeau ausfindig machen und ihm das Kästchen zukommen lassen. Dieser zeigt sich tief bewegt und Amélie findet Gefallen an ihrer neuen Aufgabe. So entwendet sie ihrem Vater heimlich seinen Gartenzwerg und übergibt ihn einer Freundin, die als Stewardess arbeitet. Fortan erhält Amélies Vater aus allen Teilen der Welt Fotos seines Gartenzwergs, was ihn schließlich dazu veranlasst, endlich einmal auf Reisen zu gehen. Außerdem bestraft Amélie Monsieur Collignon, den herrischen Besitzer eines Gemüseladens, der seinen Mitarbeiter schlecht behandelt, sie verkuppelt ihre Kollegin Georgette, die eingebildete Kranke, mit dem eifersüchtigen Joseph und sie macht die Concierge ihres Hauses wieder glücklich, indem sie einen Liebesbrief fälscht.
Wiederholt trifft Amélie auf einen Sammler von weggeworfenen Passbildern, Nino Quincampoix. Als sie das Album findet, das er verloren hat, erkennt sie in ihm einen Seelenverwandten und verliebt sich in ihn. Auf verschiedenen, akribisch ausgetüftelten Wegen lässt sie ihm Nachrichten zukommen, scheitert aber kurz vor einem Treffen jeweils an ihrer eigenen Unsicherheit. Erst nachdem der alte, im selben Haus wohnende Maler Raymond Dufayel, der wegen seiner Glasknochen-Krankheit das Leben nie richtig genießen konnte, sie davon überzeugt hat, endlich ihr Herz zu öffnen und an ihr eigenes Glück zu glauben, traut sie sich, Nino persönlich gegenüberzutreten. Und so finden die beiden schließlich zusammen.


Soviel vorneweg: Der Titel des Films trifft den Nagel auf den Kopf. Man tut sich zunächst schwer, den Film in ein gängiges Genre einzuteilen. Ein Drama ist es nicht, dafür ist zuviel Charme im Spiel und das Ende zu beschwingt. Für eine Komödie hat der Film, trotz einiger komischer Elemente, zu viel Tiefgang und eine Romanze kommt ebenfalls nicht in Frage, da die Liebesgeschichte nur einen Teil der Gesamthandlung einnimmt. Die Filmstartsbezeichnung "Tragikkomödie" trifft es noch am ehesten, oder aber, man bezeichnet den Film als "modernes Märchen": Er ist verträumt, manches Mal sogar kitschig, die Geschichte hat eine Moral und dem Zuschauer wird eine Lebensweisheit mit auf den Weg gegeben.

Die Message, die der Film in seinen ca. 120 Minuten recht deutlich vermittelt, ist zweigeteilt. Zum Einen: Geh' mit offenen Augen durch die Welt und hab' Freude an den kleinen Dingen des Alltags! Sei es das ritualisierte Zerlegen eines frischen Backhähnchens, die weiche Form einer Chicorée oder das schöne Kostüm eines Eiskunstläufers - es lohnt sich, hinzuschauen und zu genießen. Auf der anderen Seite zeigt die Geschichte: Tu' Gutes und lass' deine Mitmenschen an diesen Freuden des Alltags teilhaben! Das wirkt sich nicht nur positiv auf selbige aus, sondern auch auf einen selbst. Der Film schafft es, diese Botschaft herüberzubringen, ohne dabei zu missionieren. Keine übertrieben bedeutungsschwangeren Dialoge, kein erhobener Zeigefinger. Grund dafür sind natürlich auch die durchweg sympathischen Charaktere, allen voran die wunderliche aber charmante und liebenswerte Amelie. Es fällt leicht, mitzufühlen und sich mit den Personen zu identifizieren, gerade weil sie durchweg schräge Vögel sind - aber dadurch auch interessant.

Der Film bewegt und hinterlässt Spuren, vorausgesetzt, man lässt sich darauf ein. Die streng rational denkende Gehirnhälfte sollte ausgeschaltet werden und man darf sich an den wenigen Szenen, die des Guten ein bisschen zu viel sind, nicht stören.
Wenn man bei diesem Film tatsächlich noch etwas Negatives anhängen will, dann vielleicht, dass er einen Hang zum Klischeehaften hat. Es wird ein romantisches Bild von Paris, seinen Straßen, seinen Menschen gezeichnet (unterstützt von einem sehr französischen Soundtrack), das es heutzutage wohl nur noch in der Gauloises-Werbung gibt (dennoch wunderbar in das Gesamtbild der Geschichte passt). Auch die Charaktere ensprechen alle einem gewissen Schema.Allerdings, und hier schließt sich der Kreis, ist das nicht mehr, als das Haar in der Suppe. So ist es nunmal in einem Märchen - die Figuren sind greifbar und überzeichnet.
Der Film läd zum Nachdenken und zum Träumen ein - es lohnt sich, sich darauf einzulassen und nicht den Fehler zu machen, nach 15 Minuten den Fernseher abzuschalten!

Willkommen bei den Sch’tis / Bienvenue chez les Ch’tis

Regie: Dany Boon
Musik: Phillippe Rombi
Frankreich 2008
106 Minuten


Handlung
Spoiler: anzeigen
Philippe Abrams ist seit vielen Jahren Leiter einer Postfiliale in Salon-de-Provence im Hinterland von Marseille, wo er mit seiner Frau Julie und seinem Sohn lebt. Julie drängt darauf, in eine schönere Gegend zu ziehen, worauf sich Philippe um einen der begehrten Leitungsposten am Mittelmeer bemüht. Um seine Chancen zu erhöhen, gibt er sich als Behinderter aus. Der Betrug fliegt auf, und Philippe wird für zwei Jahre nach Bergues im äußersten Norden Frankreichs strafversetzt. Die Region Nord-Pas-de-Calais gilt bei den Südfranzosen als kalt, die Bewohner als etwas beschränkt, und das dort gesprochene Ch’ti ist schwer verständlich. Julies Onkel verstärkt dieses Bild mit düsteren Erinnerungen. Über das Versagen ihres Mannes erbost, bleibt Julie mit dem Sohn im Süden, und Philippe muss den Weg in den Norden allein antreten.


Dany Boon während der Dreharbeiten im Juni 2007
Bei Philippes nächtlicher Ankunft gibt es prompt einen Wolkenbruch. Sein neuer Unterstellter Antoine nimmt ihn bei sich auf, weil die Direktoren-Dienstwohnung über dem Postamt noch unmöbliert ist. Antoine leidet unter seiner dominanten Mutter, bei der er wohnt, weswegen ihn Annabelle, in die er verliebt ist, ablehnt. Philippe ist vom Städtchen und den Kollegen, ihrer Sprache Ch’ti und ihren Sitten befremdet und fristet eine trostlose Woche, bis er am Wochenende zu seiner Familie fahren kann. Die Stimmung bessert sich, als seine Kollegen Möbel für seine leere Wohnung auftreiben. Allmählich lässt er sich auf die örtlichen Gewohnheiten ein. Er isst Pommes frites mit Frikandeln und hört sich das Carillon an, ein Glockenspiel, das Antoine im Belfried spielt. Ein Abendessen in Lille mit den Kollegen bricht das Eis endgültig, und Philippe übt sich in der Aussprache des Ch’ti. Beim Austragen der Briefe freundet er sich mit Antoine an und lernt die Kleinstadtbewohner als herzliche und gastfreundliche Menschen kennen. Alkoholisiert tragen die beiden ein Fahrradrennen aus, das auf dem Polizeiposten endet. Beim nächsten Wochenendbesuch betrachtet Julie Philippes Beteuerungen, im Norden sei es doch nicht so schlimm, als tapfere Lüge. Also bedient er sie flunkernd mit jenen Klischees, die sie hören will. Julie bewundert seinen Durchhaltewillen und gibt ihr ständiges Nörgeln auf. Philippe genießt nun sein „geteiltes Leben“: den Spaß mit den fröhlichen Kumpels im Norden, die mitleidsvoll treusorgende Gattin im Süden – seine Ehe scheint wieder im Lot.
Eines Tages beschließt Julie, ihrem Mann im Norden beizustehen. Als sie in Bergues ankommt, lassen ihn seine neuen Freunde trotz anfänglicher Verärgerung – Philippe hat gebeichtet, was er seiner Frau über sie erzählt hat – nicht hängen: Sie zerren die ankommende Julie in den alten Posttransporter zu einer ordinären Sauftour und laden die Südfranzösin in einer verfallenen Bergarbeitersiedlung aus, die sie als „Bergues“ ausgeben. Obwohl sie genau die Rabauken und Deppen spielen, für die sie von den Südfranzosen gehalten werden, durchschaut Julie am nächsten Morgen die Lüge und reist verärgert ab. Zuerst hilft Philippe Antoine, sich aus der Bevormundung durch seine Mutter zu lösen und Annabelle endlich einen Heiratsantrag zu machen – sie nimmt an. Dann fährt er in den Süden zu seiner Frau, um sie umzustimmen. Julie lässt sich erweichen, die Familie zieht gemeinsam in den Norden und wird dort heimisch. Nach über drei Jahren erhält Philippe eine erneute Versetzung auf einen Posten in Porquerolles an der Côte d’Azur. Es gibt einen tränenreichen Abschied gemäß dem Sprichwort, wer in den Norden ziehe, weine zweimal: einmal bei der Ankunft und einmal, wenn er wieder abfährt.


In Frankreich hat die Auseinandersetzung mit dem Kino-Phänomen Bienvenue chez les Ch’tis auch zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen (Sprach-) Geschichte geführt. Der “Ch’timi” genannte Dialekt der Menschen aus dem Norden Frankreichs ist einer von einstmals vielen verschiedenen im Norden und Süden, in den Bergen und den Tälern der Republik gesprochenen. Der Zentralismus in der Politik, Kultur und die damit verbundenen Standards auch in der Sprache haben zu einer Abwertung dieser Sprachvarianten geführt. Die Dialekte und damit auch das Ch’timi gelten gegenüber dem Pariser Französisch als minderwertig. Wie auch alle anderen Abweichungen vom gehobenen Mittelklassen-Französisch sind sie in gehobenen Milieus “nicht vorhanden”. Eine Komödie, die sich lustigmacht über einen solche regionale Sprach-Varietät und ihre Komik auf Kosten von deren Sprecher_innen entwickelt, könnte auf plumpe Weise und ohne Schwierigkeiten die Mehrheit über die Minderheit lachen lassen. Aber hier die Entwarnung: Willkommen bei den Schtis ist anders.

Es geht nicht vordergründig um Sprache und Dialekt sondern um Gegensätze ganz anderer Art. Da ist der Postbeamte Philippe, der in seinem hübschen südfranzösischen Städtchen Direktor eines Postamtes ist und mit Frau und Sohn in einem schönen Haus lebt und so alle Klischees einer mittelständischen französischen Familie erfüllt. Man isst mit Freunden zu Hause und trinkt guten Wein und unterhält sich kultiviert. Aber es könnte natürlich immer noch ein bischen besser sein.
Und so denkt seine Frau, dass es noch ein paar hübschere Städte in der Provence gäbe, in denen es sich noch besser leben ließe. Es geht ums Karrieremachen um jeden Preis, auch den der Lächerlichkeit. Philippe verspielt seine Chance in bester Slapstick-Manier und wird dafür bestraft, mit der Höchststrafe: Er muss in den Norden, den kalten, regnerischen Norden zu den “Barbaren”. Im alten Griechenland nannte man so die Anderssprachigen oder wörtlich übersetzt die “Stammler”.

Natürlich werden zu Beginn alle Vorurteile über das Wetter, das Grau der Landschaft, die Unfreundlichkeit der Menschen und die Unverständlichkeit ihrer Sprache erfüllt. Philippe wird mit ein Kultur konfrontiert, die ihm in ihrer Bodenständigkeit und Direktheit bislang unbekannt war. Er findet Gefallen am Umgang mit seinen Kollegen, der nicht durch Hierarchien sondern Ehrlichkeit und Einfachheit geprägt ist. Die Trennung von seiner südfranzösischen Heimat verbessert auch das Verhältnis zu seiner Frau, die endlich einmal das Gefühl hat, er würde ein Opfer für sie bringen. Es fällt ihm zunehmend schwerer seiner daheim gebliebenen Frau und den Freunden die Klischees über den Norden zu bestätigen und seine neuen Freunde zu verleugnen. Dieser Konflikt bricht offen aus, als seine Frau ihn besuchen will um einen möglichen Umzug der Familie in den Norden zu arrangieren…

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine so „harmlose“ und doch so lustige Komödie gesehen habe. Harmlos deswegen, weil der Film komplett auf Fäkalhumor und Witze unter der Gürtellinie verzichtet. Vielmehr nimmt der Film das Thema „Vorurteile“ sehr liebevoll aufs Korn und schafft es trotzdem, alle gut da stehen zu lassen. „Willkommen bei den Sch’tis“ ist das beste Beispiel dafür, dass auch heute noch Komödien ohne warmen Apfelkuchen, zurückgebliebene Freaks und Schwulenwitzchen funktionieren können.

Clockwerk Orange

Regie: Stanley Kubrick
Musik: Wendy Carlos
Großbritannien 1971
131 Minuten


Handlung
Spoiler: anzeigen
Alex, der den gesamten Film hindurch seine eigene Lebensgeschichte erzählt (Off-Stimme), ist der Anführer einer Jugendbande, den Droogs, und zudem ein passionierter Beethoven-Liebhaber. Die Gang lebt in einem trostlosen, in die Zukunft projizierten Vorort von London. Sie benutzt eine eigenwillige Sprache, ein von russischen Brocken und Cockney-Slang durchsetzter Jargon - „Nadsat“. Ihr Leben dreht sich um Gewalt gegenüber Wehrlosen, Schlägereien mit anderen Gangs, Raubüberfälle und Vergewaltigungen. Vor allem für Alex scheint dabei Geld eine untergeordnete Rolle zu spielen. Das Zelebrieren und lustvolle Genießen der Gewaltexzesse steht für den Anführer der Bande im Vordergrund. So misshandeln sie zu viert etwa einen wehrlosen alten Stadtstreicher. In derselben Nacht dringen sie maskiert in die Villa des Schriftstellers Frank Alexander und seiner Frau ein. Alex vergewaltigt die Frau, nachdem er sie in aller Ruhe mit einer Schere entblößt und währenddessen „I’m singin’ in the rain“ gesungen hat und dabei zeitgleich ihren Mann im Takt des Lieds zum Krüppel getreten und geschlagen hat. Die Frau soll sich später offenbar wegen der brutalen Demütigung und Vergewaltigung das Leben genommen haben.
Im Laufe der Zeit beginnt es in der Gruppe zu kriseln. Alex' Führungsstil wird den anderen zu autoritär, außerdem springt bei den Überfällen für sie zu wenig Geld heraus. Alex kann seine Herrschaft vorübergehend festigen, indem er seine beiden Kritiker mit brutalsten Methoden in die Schranken weist: Den einen schlägt er heftig in den Unterleib, dem anderen schlitzt er die Hand auf. Und mit einer lockeren "Aussprache" danach glaubt er, auf seine Art die Machtverhältnisse wieder geklärt zu haben. Bei einem der nächsten Überfälle geschieht dann jedoch das längst Absehbare. Bei dem Einbruch in das Haus einer alleinstehenden Frau ("Cat Woman"), die Alex mit einer großen Penisplastik brutal erschlägt, wird er von seinen „Droogs“ nach Verlassen des Hauses mit einer Milchflasche ins Gesicht geschlagen. Dadurch ist sein Sehvermögen für kurze Zeit gestört und die zuvor von der Frau verständigte Polizei kann ihn problemlos festnehmen. Alex wird wegen Mordes zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.
Dort schmeichelt er sich in den ersten beiden Jahren beim Gefängnispastor ein. Bei einem Besuch des Innenministers macht er auf sich aufmerksam und wird prompt ausgewählt als Versuchsobjekt für die „Ludovico-Technik“, eine Art Aversionstherapie. Die neue Regierung unterstützt die Therapie als erfolgversprechende Methode der Wissenschaft, um die Resozialisierung von Kriminellen voranzutreiben und so vor allem zur Entlastung der überfüllten Gefängnisse beizutragen. Alex wird also in die medizinische Anstalt Ludovico überwiesen, wo er immer wieder für einige Stunden mit gewaltsam aufgesperrten Augen verschiedenen brutalen Filmen ausgesetzt wird. Vor den Sitzungen wird ihm ein Serum verabreicht, das beim Anblick von Gewalt starke Übelkeit hervorrufen soll. Dadurch soll man schrittweise dahingehend konditioniert werden, körperliche und sexuelle Gewalt nicht mehr ertragen zu können. Bei einem der Filme läuft Musik von Beethovens 9. Sinfonie im Hintergrund.
Am Ende der 14 Tage dauernden Therapie wird Alex als angeblich geheilt entlassen. Die Auswirkungen der Therapie sind jedoch zwiespältig: Beim geringsten Gedanken an Gewaltausübung oder sexuelles Begehren überfallen ihn Übelkeit, akuter Brechreiz und große Schmerzen. Alex ist nun scheinbar wehr- und willenlos. Als unbeabsichtigter Nebeneffekt treten diese Symptome auch beim Hören von Beethovens 9. Sinfonie auf, der Hintergrundmusik während einer der Konditionierungen im Rahmen der Psychotherapie.
Nach seiner Entlassung muss Alex feststellen, dass seine Eltern sein Zimmer einem Untermieter namens Joe überlassen haben. Die Gewalt, die er einst anderen gegenüber ausübte, fällt nun mehr und mehr auf ihn selbst zurück: An der Themse trifft er jenen alten Stadtstreicher, den er einst mit seiner Gang zusammengeschlagen hat und der nun seine Wut mit anderen Obdachlosen an ihm auslässt. Alex wird von zwei vermeintlichen Polizisten gerettet, die sich dann aber als seine beiden alten „Droogs“ entpuppen. Sie rächen sich an ihm, indem sie mit ihm in den Wald fahren, ihn dort eine Minute lang in einer Viehtränke unter Wasser halten und dabei mit Gummiknüppeln auf ihn einschlagen. Verletzt kann sich Alex zu einer Villa schleppen ohne zu bemerken, dass es sich um das Wohnhaus des Schriftstellers Alexander handelt, den er einst überfallen und dessen Frau er vergewaltigt hat. Der Schriftsteller, der durch die damaligen Tritte und Schläge zum Invaliden wurde und im Rollstuhl sitzen muss, betrachtet ihn zunächst als Opfer der Regierung, pflegt ihn und gibt vor, ihn für eine politische Kampagne gegen die amtierende Regierung zu benutzen. Als Alex aber in der Badewanne das Lied Singin’ in the Rain singt und dazu rhythmisch mit der Hand ins Wasser schlägt, geht dem Schriftsteller ein Licht auf - Alex war es, der ihn und seine Frau überfallen hat. Nach dem Bad stellt ihm der Schriftsteller, der nun auf Rache sinnt, eine Portion Spaghetti und eine Flasche Wein hin. Diese sind allerdings mit einem Schlafmittel versetzt. Er befragt ihn zusammen mit Freunden, die er zu sich bestellt hat, zu Einzelheiten der Psychotherapie und deren Folgen. Dabei erfahren sie auch, was die 9. Sinfonie seit der Konditionierung bei ihm auslöst, sperren den durch den präparierten Wein betäubten Alex in ein Zimmer im Obergeschoss und spielen lautstark die 9. Sinfonie ab, was Alex nicht mehr aushalten kann und will: Er will sich das Leben nehmen und stürzt sich aus dem Fenster.
Alex wacht schwer verletzt in einem Krankenhaus auf. Er glaubt, sich an eine Gehirn-OP zu erinnern, wird von der Psychiaterin aber beruhigt, dass es nur ein Traum gewesen sei. Er kann nun wieder ohne Schmerzen Beethoven hören. Die Regierung, die wegen der bekannt gewordenen Nebeneffekte von Alex' Konditionierung in dem laufenden Wahlkampf um ihre Wiederwahl bangt, nutzt dies aus, um vor laufender Kamera mit seiner „Heilung" auf Stimmenfang zu gehen. Der Film endet mit einer Sexszene im Schnee vor applaudierenden Zuschauern, offenbar eine Vision des von der Musik berauschten Alex, und mit seinen Worten: „Ich war geheilt, all right“.


Der Film bezieht den Zuschauer auf visueller sowie auditiver Ebene von Anfang an ins Geschehen ein. Durch die Fixierung auf den Blickwinkel des Protagonisten ( sofern man das noch so nennen kennen kann ) wird dem Zuschauer jede Möglichkeit zur Distanzierung genommen und dadurch wird der Zuschauer zu dessen Sichtweise gezwungen und zum Teilhaber seiner gewalttätigen Phantasien. Sehr radikal involviert Kubrik den Zuschauer in die Bewusstseinswelt eines Killers, doch Alex ist kein gewöhnlicher Killer, er ist ein Künstler-Terrorist. Akte roher Gewalt werden in diesem Film ästhetisiert und sogar zu Akten der Kunst emporgehoben.
Der sexuellen Dimension der Gewalt wird ein besonderer Stellenwert eingeräumt, besonders in der Szene die sich um die Ermordung der Cat Lady dreht. In einem Ambiente pornographischer Pop Art fordert die Frau Alex zum Tanz auf Leben und Tod heraus den Alex mit einer riesigen Phallusskulptur, die er ihr ins Gesicht rammt, beendet.
Über diesen Film ist bereits viel erzählt und philosophiert worden, so dass ich jedem Filmfan diesen Film empfehlen möchte um sich sein eigenes Urteil zu bilden... Denn im Endeffekt ist es schwer diesen Film in Worte zu fassen da es sich hier um ein zeitloses Meisterwerk des Science Fiction Genres handelt.

Ich werde nach und nach weitere meiner Favoriten zu diesem Post hinzufügen, da ich eine Menge Lieblingsfilme habe.
"And though we may not be alone in the universe, in our own separate ways, on this planet we are all alone."

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"“"The mass of men lead lives of quiet desperation." My life has been anything but quiet - yet I believe, nothing but desperate. I think i`m the most dangerous man alive - not so much because i believes in my actions, but because i believe those actions are all which life allows me... .” "
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Phantom Snake

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Re: Die besten Filme aller Zeiten ~ eure Top Filme

Beitrag19.12.2013, 20:00

Ich schreib einfach mal ein paar Filme die mir jetzt spontan einfallen. Ich werde in den nächsten Tagen per ''EDIT'' Begründungen dazu einfügen.

Little Miss Sunshine
Ich glaube das könnte vielleicht mein Lieblingsfilm sein. Singular.

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Fredl

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Re: Die besten Filme aller Zeiten ~ eure Top Filme

Beitrag19.12.2013, 23:14

Seraphblade hat geschrieben:Das Jahr 2013 geht dem Ende zu und damit auch ein aufregendes Jahr für Filmliebhaber.

In diesem Zuge würde mich generell einfach mal interessieren welche Filme euch in den letzten Jahren im Gedächtnis geblieben sind und warum. Ziel dieses Threads ist es nicht nur über aktuelle Blockbuster zu schwärmen sondern eventuell auch den ein oder anderen auf ältere Filme aufmerksam zu machen, die auch aus heutiger Sicht einzigartig und sehenswert sind.


Mein lieber Freund du hast hier einen endlos Thread angefangen. Ich habe sicher an die 50 Filme alleine dieses Jahr gesehen und werde diesen Thread im nächsten Post zuspammen also mach dich auf was gefasst. :)
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