Three — Meine Puppen sind gute Puppen

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       Heute habe ich meine erste eigene Puppe gemacht. Ich habe sie nach einem Menschen geformt, aber es ist nur eine Puppe, die ich gefertigt habe. Sie ist viel besser geworden, als ich erwartet hatte. Ich war so glücklich.

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      Die Soldatenpuppe, die ich hergestellt habe, wird angeblich für ein Spiel namens „Schach“ verwendet. Die Soldatenpuppe, die ich aus dem Schloss des Feudalherren mitgenommen habe, war die erste Puppe, die nur mir allein gehörte. Ich habe Puppen geliebt, seit ich klein war, hatte aber nie wirklich eigene.

       Als sie herausfand, dass ich die Puppe mitgenommen habe, hat meine Schwester One mit mir geschimpft. Aber ich habe sie nicht zurückgeben, denn es war eben meine erste Puppe. Obwohl mit mir geschimpft wurde, liebe ich Puppen.

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        Heute habe ich die achte Puppe gefertigt. Damit bin ich mit den schwarzen Soldaten* durch. Von Morgen an werde ich mit den Weißen beginnen.

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        Ich bin mit den weißen Soldaten fertig. Damit habe ich die Soldaten komplettiert, ab morgen mache ich die anderen Puppen.

       Das „Schachbrett“, das ich gesehen habe, hatte auch Pferde-Puppen, aber solche werde ich nicht machen. Ich mag Menschen-Puppen lieber als Tier-Puppen.

       Es gab außerdem noch Puppen in Hausform, aber die sind langweilig, also mache ich keine. Im Endeffekt sind Haus-Puppen nicht mal Puppen, oder? Häuser bewegen sich nicht und sprechen nicht.

       Ich frage mich, welche Puppen ich anstatt der Pferde und Häuser herstellen soll. Einen König und eine Königin gibt es auch. Vielleicht sollte ich eine Puppe machen, die so merkwürdig gekleidet ist wie ein „Bischof“*?

       Aber was ist ein „Bischof“? Ich denke, das sollte ich herausfinden.

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       Ich habe nachgeforscht und herausgefunden, was ein „Bischof“ ist. Es ist wohl so eine Art Mönch. Sie tragen merkwürdige Kleidung und Hüte.

       In dem Buch, welches ich gelesen habe, stand, dass sie ihren Kopf rasieren, dort also keine Haare haben. Das wusste ich vorher nicht, deswegen haben die „Bischof“-Puppen normale Köpfe unter den Hüten.

       Ich habe die Haare an ihren Köpfen abgeschnitten. Sie so schön rund zu machen wie in dem Buch war nicht einfach.

       Aber jetzt sind es endlich richtige „Bischof“-Puppen geworden.

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       Während ich in dem Buch weiter las, zeigte sich, dass es Lebewesen gibt, die den Oberkörper eines Mensch und den Unterkörper eines Pferdes besitzen. Ich habe ständig überlegt, was ich anstelle der Pferde-Puppen herstellen soll, und beschloss, diese zu produzieren.

       Ich dachte, möglicherweise finde ich auch ein Ersatzobjekt für das Haus und habe das Buch lange weiterlesen.

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       Die Pferde-Puppen werden im richtigen Schach wohl „Ritter“* genannt.

       Waaas? In diesem Falle hätte ich von vornherein menschliche Puppen machen können, die auf Pferden reiten. Jetzt, da ich darüber nachdenke, sahen die Schachfiguren im Schloss des Feudalherren wie Menschen aus, die auf einem Pferd ritten. Die anderen sahen aus wie normale Pferde, also dachte ich, es seien auch welche.

       Wie auch immer, ich habe meine bereits gemacht, also ist es egal.

       Eventuell sind die „Häuser“ auch etwas anderes als angenommen. Dachte ich jedenfalls, also habe ich nachgesehen. Es sind keine Häuser, es sind Türme. Aber sie sind weder Menschen noch etwas Lebendiges, was ich enttäuschend finde.

       Nach langem Überlegen habe ich beschlossen, sie wie Monster zu formen, die ich vor einer Weile in einem Buch gesehen habe. Ein riesiges Monster, zu dem man aufschauen muss.

       Wenn man die Arme hinter ihnen zusammen bindet und beide Beine nach hinten dreht, sehen sie einem Gebäude ähnlich genug, nicht wahr? Um sicherzustellen, dass sie noch mehr wie Gebäude aussehen, werde ich ein paar Treppen und Leitern hinzufügen.

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       Ein Schachspiel benötigt 64 Figuren und ich habe sie alle fertiggestellt. Jetzt, wo ich sie mir in einer Reihe aufgestellt ansehe, bin ich im Laufe der Zeit mit meiner Arbeit immer besser geworden. Ich bin glücklich.

       Was für eine Puppe fertige ich nun als nächstes an?

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       Heute habe ich eine Puppe gemacht, die ich nicht kopierte, sondern die ich mir selbst ausgedacht habe.

       Die Materialien für die anderen Puppen zu suchen war ziemlich zeitaufwändig, aber die brauchte ich bei dieser Anfertigung nicht. Darüber hinaus ist diese Puppe viel schöner und großartiger als die Schachpuppen.

       Diese ist wahrhaftig meine eigene Puppe. Meine süße, süße Puppe.

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       Heute habe ich mit allen Puppen gespielt, die ich bisher gemacht habe. Ich habe versucht, so mit ihnen zu spielen, wie es kleine Mädchen in Bilderbüchern mit ihren Puppen machen.

       Diese kleinen Mädchen spielten mit Papa-Puppen, Mama-Puppen, Oma-Puppen, Opa-Puppen und Kinder-Puppen. Aber ich mochte Mama und Papa nicht wirklich, also würde mir das gar keinen Spaß machen.

       Und ich hatte keine Oma und keinen Opa. Octa ist ein Opa, aber nicht meiner.

       Ich schätze, ich werde mir einen anderen Weg überlegen, mit ihnen zu spielen.

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       Heute habe ich „Vernichtet den bösen Kerl“ mit meinen Puppen gespielt.

       Ich habe Puppen für meine Schwestern One, Two, Four und Five hergestellt und mit ihnen die böse Herrscher-Puppe fertig gemacht. Puppen können die Kraft des Gesangs nicht nutzen, aber ich denke, ich habe uns insgesamt gesehen gut genug gespielt.

       Es hat wirklich Spaß gemacht, aber die böse Herrscher-Puppe ist kaputt gegangen.

       Ich muss eine Neue machen. Mit ihnen zu spielen macht Spaß, aber sie zu fertigen noch mehr.

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       Heute hatte ich eine Tee-Party mit meinen Puppen. Wenn ich „Vernichtet den bösen Kerl“ spiele, gehen sie kaputt, aber solange ich nur mit ihnen Tee trinke und plaudere, passiert das nicht.

       Es macht Spaß, mit den Puppen zu sprechen. Sie hören mir zu und beschweren sich nicht. Sie sagen nicht so was wie „Was ist jetzt der Sinn?“ oder „Ich weiß nicht, wovon du redest.“

       Als Belohnung für so gute Zuhörer habe ich Süßigkeiten für sie hergestellt. Und Tee. Er war violett und schön wie Juwelen. Ich wollte die Süßigkeiten passend dazu machen, aber die gleiche Farbe ist mir nicht gelungen, daher sind sie nun grün.

       Ich habe sie an die Puppen verfüttert und sie Tee trinken lassen. Dabei färbte sich die Farbe ihrer Gesichter schmutzig. Ich habe versucht, sie zu waschen, aber sie erhielten ihre ursprüngliche Farbe nicht zurück. Was aber schlimmer ist: Sie bekamen einen seltsamen Gestank, also habe ich sie weggeworfen.

       Ich muss neue Puppen machen. Eine Tee-Party mache ich nicht mehr.

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       Ich mag Puppen, aber ich mag auch Scheren. Das Geräusch, das sie beim Schneiden machen, der Widerstand, den man beim Zerschneiden spürt, ich liebe es alles. Meine Haare zu schneiden macht Spaß, so viel Spaß, dass ich vergesse zu essen.

       Ich habe versucht, Octas Haare zu schneiden, aber im Gegensatz zu meinen waren sie steif und schwierig zu bearbeiten. Ich wollte auch seinen Bart schneiden, aber er flüchtete leider. Eigentlich wollte ich ihn wie einen „Bischof“ aussehen lassen.

       Ich mag Scheren, aber Octa wohl nicht. Obwohl sie so faszinierend sind.

       Octa scheint auch keine Puppen zu mögen.

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       Octa trägt komische Schuhe. Sie haben eine interessante Form. Ich wollte sie einer meiner Puppen anziehen, aber Octa wollte sie mir nicht leihen.

       Trotz dieser Form kann er in diesen Schuhen gut weglaufen. Als ich seine Haare und seinen Bart schneiden wollte, ist er leider überraschend schnell weggelaufen. Er ist sogar noch schneller gerannt, als ich an einer anderen Stelle schneiden wollte.

         Er ist komisch. Wieso möchte er nichts geschnitten haben? Obwohl es Spaß macht. Ich verstehe es nicht.

       Jetzt, da ich darüber nachdenke: In letzter Zeit habe ich nicht mit Octa gespielt. Das kommt, weil er keine Puppen mag. Ich möchte aber mit meinen Puppen spielen.

       Wenn er keine Puppen mag, denke ich, soll er lieber allein spielen.

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       Heute habe ich viel darüber nachgedacht, wie ich meine Puppen süßer machen kann. Ich möchte süßere Puppen machen.

       Sollte ich sie niedlichere Kleidung tragen lassen? Was gilt als niedlichere Kleidung? Mit Rüschen dekorierte Kleider? Oder doch eher Kleider mit Schmetterlingsschleifen?

        Aber selbst wenn ihre Kleidung süßer würde… Wenn man sie entfernt, werden sie wieder normal, nicht wahr? Dann wären sie keine süßeren Puppen mehr, oder?

      Sollte ich ihnen niedlichere Frisuren machen? Welche Frisuren sind süßer? Locken? Geflochtene Zöpfe? Normale Zöpfe?

       Aber auch wenn sie süße Frisuren haben… Wenn man sie kurz schneidet oder die Haare öffnet, werden sie wieder normal, nicht wahr? Dann wären sie keine süßeren Puppen mehr, oder?

       Das ist etwas anderes, denke ich. Was ich machen möchte, sind süßere Puppen. Keine Puppen mit süßerer Kleidung oder süßeren Haaren.

       Aber was bedeutet „süßer“ überhaupt?

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       Heute habe ich lange Zeit darüber nachgedacht, was „süßer“ bedeutet. Welche Puppen ich für süß halten könnte. Egal welche, alle sind gleich süß. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum es mir schwer fällt, „süß“ und „süßer“ zu definieren.

       Also dachte ich, dass mir der Unterschied leichter fiele, wenn ich sie sorgfältig sortierte.

       Ich stellte von allen Puppen, die ich bislang gefertigt hatte, eine Reihenfolge auf, wie süß ich sie fand, und verglich sie miteinander.

       Die Puppen mit höherer Stirn waren süßer als die mit kleinerer. Und die mit größeren Köpfen waren süßer als die mit Kleinen. Und statt denen mit kleinen, detaillierten Augen, waren die mit großen, offenen Augen süßer. Die Nase und der Mund waren in klein schöner.

       Rundliche Wangen sind süß. Arme und Beine sind am süßesten, wenn sie dick, kurz und knubbelig sind. Und rundliche Bäuche sind auch süßer als flache.

       Das bedeutet:

       Größerer Kopf, höhere Stirn, größere Augen, kleinere Nase, kleinerer Mund, rundlichere Wangen…

       Ja, ich weiß jetzt, wie man süßere Puppen macht! Ich werde es morgen sofort ausprobieren.

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       Heute habe ich versucht, mit meiner „süßer“-Methode neue Puppen zu gestalten. Jedoch war es schwieriger als gedacht.

        Zuerst mal war es schlimm, größere Köpfe zu machen. Der Grund ist, dass Puppenköpfe sehr hart sind. Man kann sie nicht einfach wie Ballons aufblasen.

      Sowohl die höhere Stirn als auch die kleinere Nase waren ebenfalls nicht leicht zu machen. Man kann sie nicht einfach kleiner schnitzen wie bei Holz oder sie formen wie Ton.

        Nachdem ich dies und das ausprobierte und nichts funktionieren wollte, hatte ich eine Puppe ruiniert. Aber mir war eine bessere Idee gekommen.

       Wenn es zu schwierig war, die Kopfgröße zu ändern, wieso änderte ich nicht die Körpergröße?
Ich empfand, ich könnte die Länge der Arme und Beine einfach verändern. Und als ich es probierte, klappte es.

       Ich dachte, die rundlichen Bäuche könnten vielleicht Probleme bereiten, aber nachdem ich die Kissen auf meinem Bett sah, kam mir eine gute Idee.

       Kissen und Polster werden dicker, wenn man mehr Füllung in sie packt. Die Bäuche der Puppen mit „Watte“** aufzufüllen, wäre eine gute Option.

       Nachdem ich eine Menge „Watte“ reingestopft hatte, waren ihre Bäuche schön und rund. Es war ein voller Erfolg.

       Da ich das gut geschafft hatte, steckte ich auch eine Menge „Watte“ in die Arme und Beine. Sie wurden prall und niedlich. Ich dachte, dass es sicher auch niedlich wäre, die Finger dicklicher zu machen, und obwohl sich das schwierig gestaltete, weil sie so klein waren, füllte ich jeden einzelnen mit „Watte“. Sogar die Hände.

       Nachdem ich den ursprünglichen Kopf wieder daran befestigte, hatte die Puppe einen großen Kopf, einen Blähbauch und dickliche Arme und Beine.

       Aber da ich noch nicht so gut darin bin und die Dicke und Länge von allem nicht zusammen passt, sieht sie missgestaltet aus. Wenn ich weitere Puppen herstelle, wie zu der Zeit der Schachpuppen, werde ich bei der Fertigung bestimmt besser.

       Ich denke, auch morgen werde ich hart an der Herstellung arbeiten.

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       Ich bin viel besser darin geworden, dicke Puppen mit großen Köpfen zu zu fertigen. Sie sehen nicht länger missgestaltet aus.

       Als ich weitere herstellte, fiel mir auf, dass ihre Arme, Beine und Bäuche denen von Babys ähnelten.

       Nun, da ich darüber nachdenke, merke ich: Babys haben auch große Köpfe. Ihre Stirnen sind ebenfalls hoch und ihre Nasen und Münder schmal. Ja, ich verstehe.

       Ob ich die Wangen noch weicher machen sollte? Schließlich fühlen sich Baby-Wangen weich an. Ich sollte lieber etwas weicheres als „Watte“ zur Füllung verwenden. Was nur?

       Darüber denke ich weiter nach.

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       Ich habe den ganzen Tag nach einer passenden Füllung für die Wangen gesucht. Etwas Weiches, was sich beim Anfassen gut anfühlt und zur Genüge zur Verfügung steht.

       Das Innere einer Federdecke? Das Innere eines Polsters? Das Innere eines Stofftiers? Das Innere von Süßigkeiten?

      Weiches, Flaumiges, ich schnitt viele Sachen mit einer Schere auf, um festzustellen, was sich in ihnen befand.

       Als ich die Federdecke zerschnitt, verteilten sich die kleinen Federn überall im Raum und ich atmete welche davon ein. Daher konnte ich nicht mehr aufhören zu niesen.

      Als ich die süßen, weichen Leckereien aufschnitt, verteilte sich Sahne überall auf meiner Schere.

      Octa beobachtete mich, wie ich vor mich hin nieste und Sahne schleckte, und trug diesen halb belustigten, halb besorgten Blick in seinem Gesicht.

     Danach wusch er meine Haare und wechselte meine Kleidung, die voller Daunen war, sodass ich nicht mehr niesen musste.

       Aber ich fand nichts für die Innenseite der Wangen.

       Ich frage mich, woraus Baby-Wangen bestehen…?

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      Ich probierte einige Dinge aus, entschied mich am Ende aber für ganz viel Wolle als Wangenfüllung. Anscheinend ist das noch die angemessenste Wahl dafür.

     Ich habe mit viel Mühe weiße, rote und pinke Wolle entwirrt, weiche Fäden daraus geformt und sie in die Wangen gepackt. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig, sodass es schön weich wurde.

       Ich drückte sie einige Male mit meinem Finger, um die Weichheit zu testen.

    Es dauerte viele, viele Tage, aber am Ende schaffte ich es, eine „süßere“ Puppe mit weichen Baby-Wangen anzufertigen. Ein runder Bauch, pralle Gliedmaßen. Meine süße, süße Puppe.

       Aber ich möchte noch süßere Puppen herstellen.

       Wie sähen noch süßere Puppen als diese aus? Womit wären sie gefüllt? Welche Materialien müsste ich am besten benutzen?

       Was bedeutete „noch süßer“ überhaupt?

       Ich glaube, darüber muss ich mehr nachdenken.

      Es scheint, als wolle Octa mit mir spielen, aber ich bin beschäftigt. Sobald ich noch süßere Puppen angefertigt habe, will ich bestimmt welche machen, die noch viel süßer als die noch süßeren sind.

     Was für eine Puppen sollte ich als Nächstes machen? Noch süßere Puppen, mit denen ich viel spielen kann, wären super.

       Uhuh… Uhuhuhuhuhu.

 

[*Anmerkung: Wir kennen die Figuren eher unter folgenden Bezeichnungen: Soldat → Bauer | Bischof → Läufer | Ritter → Springer]
[**Anmerkung: Im japanischen Text steht an dieser Stelle 「わた」 (wata) in Katakana und Anführungszeichen. In dieser Weise geschrieben, kann das Wort sowohl „Watte/Baumwolle“ als auch „Eingeweide“ bedeuten.]